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Newsletter 2017 - Nr. 1

 

 

 

Liebe Freunde der franzôsischen Kultur.

 

Es ist ein Jahr her seit meiner letzten Infopost an Sic Der Anlass war damais der Tod der beliebten Schriftstellerin Benoîte Groult.

Das Interesse an meinem Vortrag ùber sie war und ist sehr grofi. Ich liebe dièse aufiergewôhnliche Frau, dièse begnadete Schriftstellerin mit dem umwerfenden Humor und Andere an meiner Bewunderung fur sie teilhaben zu lassen, gehôrt zu meinen grôfiten Freuden.

Vorigen Sommer ging ich traditionell in Klausur und arbeitete an der Biographie einer weiteren Aufsehen erregenden Frau, der noch lebenden franco-tunesischen Anwàltin und Feministin Gisèle Halitni, deren Geschichte mit der so hoffnungsvollen Botschaft so ansprechend ist, dass auch sie eine Multiplikator- Wirkung hat.

Es ist wirklich etwas Schônes, wenn die Themen, die man sich ausgesucht hat ankommen und sich als anregend erweisend.

Nach einem bewegten Halbjahr 2017 quer durchs Land mit vielen Themen aus meinem Répertoire ist es wieder soweit: Ich ziehe mich demnàchst zurùck, um an meiner neuen Produktion zu arbeiten: dem Leben der Impressionistin Berthe Morisot (1841-1895).

Ich habe, es ist unleugbar, eine Vorliebe fur das 19. Jahrhundert mit seinen vielen Entdeckungen und Erfindungen, seinem bahnbrechenden, der Moderne zugewandten Geist, seinen Evolutionen und Revolutionen. Der Impressionismus gehôrt zu Letzteren, die die Kunst ins 20. Jahrhundert katapultierten mit dem Wagnis einer Handvoll Kùnstler, welche es auf sich nahmen, verpônt, verlacht, diskriminiert und marginalisiert zu werden (also Shitstorm vor der Zeit auszulôsen sozusagen) und ja, zu verhungern, um ihr Verstàndnis des Realismus / Naturalismus durchzusetzen.

Dass Menschen fur eine Vision Opfer bringen kônnen, dass sie auf materiellen Komfort und soziale Anerkennung freiwillig fur dièse Vision verzichten! Das ist total stark.

,,Eine Hand voll Verrùckter", wie ein emporter, angewiderter Kunstkritiker damais 1874 nach der ersten Ausstellung der noch Namenslosen schrieb. Und darunter vier Frauen, man stelle sich das vor!

Vier Frauen in einer Mànnerwelt.

Berthe Morisot, Mary Cassât, Marie Bracquemont, Eva Gonzalès. Marie Bracquemont wurde von ihrem eigenen Mann, der selber Maler war, wenn auch weniger begabt als sie, unter Druck gesetzt, so dass sie, um

 

Komplikationen zu vermeiden, freiwillig zu ihrer eigentlichen Bestimmung als Frau zurùckkehrte, nàmlich zu ihrer Kùche und ihren Tôpfen. Eva Gonzalès starb mit 36 an Kindbettfieber. Blieben nur zwei, Berthe Morisot und die Amerikanerin Mary Cassât.

Zwei Frauen in einer von Mànnern dominierten und besetzten Welt. Wie lebt man damit, wie malt man, welche Konzessionen macht man, um geduldet, akzeptiert, gar anerkannt zu werden?

Anhand der Vita von einer der beiden, Berthe Morisot, versuche ich das Leben einer Frau nachzuzeichnen, die sich fur einen von Anfang an schwierigen Weg entschied, jenseits vom vorgeschriebenen Pfad eines damaligen Frauenlebens.

Die Impressionisten hatten es nicht leicht, sie hatten es, seien wir mal ehrlich, schwerer als dièse zwei Frauen, denn sie mussten sich und ihre Familie von einer Kunst ernàhren, die als solche - lange - nicht anerkannt war. Die aus wohlhabenden Verhâltnissen stammende Berthe Morisot hatte dièses matérielle Problem nicht, sie hatte andere. Von denen ihre Malerei absolut nicht zeugt. Je dùsterer ihre eigene Welt, desto heller, desto gelôster ihre Palette, desto leuchtender und luftiger ihre Sujets.

Ich merke, ich komme in Fahrt und lege vor lauter Begeisterung los. Aber stopp. Ich will Sie nur neugierig machen.

Das wàre sehr schôn, wenn es mir gelànge.

Ich wùnsche Ihnen einen wunderschônen Sommer mit vielen guten Momenten.

Es grùfit Sie aus dem hessischen Braunfels Ihre

Suzanne Bohn 1. Juni 2017

Angehângt:

Info zu aktuellen Themen in 2018 Berthe Morisot Pressetext

 

Aktuell in 2018

François Cavanna: 95. Geburtstag

Simone de Beauvoir: 110. Geburtstag

Françoise Dolto: 110. Geburtstag und 30. Todestag

Françoise Giroud: 15. Todestag

Léo Ferré: 25. Todestag

Jacques Brel: 40. Todestag

Camille Claudel: 75. Todestag

Sarah Bernhardt: 95. Todestag

Paul Gauguin: 170. Geburtstag

Guy de Maupassant: 125. Todestag

Flora Tristan: 215. Todestag

Mehr zu den jeweiligen Themen auf meiner Homepage www.suzannebohn.de

 

Pressetext

Berthe Morisot (1841-1895)

Die stille geheimnisvolle Impressionistin

Die Schwierigkeiten, mit denen Kûnstlerinnen im 19. Jahrhundert zu tun hatten, liefèen sich auf zwei aufschlussreiche Zitate aus dem direkten Umfeld der Berthe Morisot reduzieren:

Als ihr spâterer Schwager, der attraktive Edouard Manet (sie heiratete dessen Bruder Eugène) sie und ihre ebenfalls malende Schwester Edma Morisot beim Kopieren der Alten Meister im Louvre- damais eine Art ôffentliche Lehranstalt fur aile- zum ersten Mal sieht, vertraut er einem Freund:

« Die Morisot Schwestern sind sehr charmant. Schade nur, dass sie keine Mànner sind. Als Frauen kônnten sie der Sache der Malerei besser dienen, vuenn sie Mitglieder der Akademie des Beaux Arts heirateten und sie die alten Knacker ordentlich durchmischten ».

Die ,,alten Knacker" waren nâmlich die grôfèten Feinde der jungen Kunst- Révolutionâre, die unter dem Namen Impressionisten zu spâtem Ruhm kommen sollten.

Und Madame Morisot Senior, die ob der nicht ,,verheiratbaren" 30jâhrigen Berthe besorgte Mutter, schreibt an eine andere ihrer insgesamt drei Tôchter:

« Nach der allgemein gàngigen Meinung ist es immer noch besser das Opfer der Ehe zu bringen als unverheiratet zu bleiben und auf einen Zustand zu beharren, der keiner ist

Kûnstlerin zu werden, das wusste Berthe schon sehr frûh, bedeutete, sich den Vorurteilen, der Diskriminierung, der Verachtung auszusetzen und sich zu marginalisieren, denn die Zeit und das grofèbûrgerliche Milieu, dem sie entstammte, sahen fur die Frauen eine andere Bestimmung vor. Eine Frau war nur ein anerkanntes Mitglied der Gesellschaft, wenn sie verheiratet war. Die Ehe und die Mutterschaft gaben ihr Namen, Legitimitât, verliehen ihr Respekt und Akzeptanz.

 

Weshalb Edma Morisot frûh dem gesellschaftlichen Druck nachgab, die Malerei aufgab, um Hausfrau und Mutter zu werden und somit Normalitât zu erlangen.

Berthe aber war die geborene Kûnstlerin, die sich nur beim Malen verwirklichte. So nahm sie dièse Deklassierung und die vielen Widrigkeiten im Kauf, wie zum Beispiel im Katalog der ausstellenden Kûnstler bei ihrer ersten Ausstellung im Jahre 1865 kaum oder als ,,malende Hausfrau" erwâhnt zu werden, oder lange keinen geeigneten Mann zu finden, so dass sie sehr spât heiratete oder auch keinen Anspruch auf ein eigenes Atelier fur ihr ja geduldetes ,,Hobby" zu haben.

Ihr ganzes Leben malte die treue Impressionistin Berthe Morisot die idealisierte Welt, sie malte das durchsichtige Licht, das gehauchte Gluck, das Superleichte, das traumhaft Luftige, das vornehme Reine, das Àsthetische par excellence, Oasen der Ruhe und der reinsten Harmonie. In Wirklichkeit war die nie lâche Inde Frau magersûchtig, neigte zu Depressionen, sie war verschlossen, unnahbar, verschwiegen.

Suzanne Bohn entfûhrt in die Welt einer Frau, die das Gluck malen zu dûrfen mit ihrem Schweigen und ihrem Zurûcknehmen erkaufte. Der Vortrag deckt auch auf, wie erstaunlich viele Frauen um Berthe Morisot herum im Verborgenen malten und nie Berûhmtheit erlangten.

 

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