François RABELAIS

 

 

Rabelais, Cervantes und Shakespeare: Drei Autoren der Renaissance, die sich in den Dienst des Lachens und des Volkes stellen. Der größte Lachen - Promoter, der am radikalsten Volkstümliche von allen drei ist jedoch noch der Franzose Rabelais. An der Medizinfakultät von Montpellier, aus der der 38-jährige ehemaliger Bettelmönch und Wanderprediger als einer der bedeutendsten Ärzte seiner Zeit hervorgehen wird, kennt man die hippokratische Theorie des Lachens aus der Antike und weiß um dessen heilende Kraft. Rabelais wird sie als Heilmethode bei seinen Patienten anwenden. Die Philosophie des Lachens beruft sich auf die Erkenntnis von Aristoteles: „Von allen lebenden Wesen kann nur der Mensch lachen“. Das Lachen galt also als die äußerte Manifestation des Geistes. Die Renaissance wird mit einem ohrenbetäubenden, befreienden, heilenden Lachen eingeläutet, mit dem sich die Menschheit vom Diktus der Kirche loszusagen versucht. Ganz besonders Rabelais demontiert nach Kräften den Mythos der Gottesbestrafung, dessen sich die allmächtige Kirche bedient, um die Massen zu Demut und Gehorsam zu zwingen. Der Humanist –also Gelehrter- konvertiert zum anarchistischen Spaßmacher der Nation- vergleichbar mit den Kabarettisten von heute- und erlangt Ruhm mit nur vier Werken- das fünfte wurde posthum veröffentlicht-, von denen die ersten zwei Bücher besonders bekannt wurden: Pantagruel und Gargantua, die fabelhafte, nicht ganz ernstzunehmende Geschichte zweier lüsternen Riesen. Bücher, die seinerzeit zum Wegweiser, praktischen Ratgeber und Seelentröster fürs Volk werden, in denen die maßlosen verbalen Übertreibungen, die unglaublichsten und unglaubwürdigsten Possen und Faxen der Helden, der orgiastische Umgang mit einer fäkalen Sprache, an der sich der Autor zu berauschen scheint, nicht darüber hinwegtäuschen dürfen, dass dieser über ein immenses Wissen verfügt: Man hat es hier mit der Meinung eines sehr klugen und kritischen Kopfes zu allen brennenden sozio - politischen Themen seiner Zeit zu tun. Rabelais Bücher, seine Grobheiten, seine Frechheiten, das Scatologische im Werk, das ihn sehr oft in die Nähe von Pornographie und Perversität bringt, können nur richtig eingeschätzt werden, wenn man sie in ihren Kontext des 16. Jahrhunderts re- situiert und den Stellenwert der formidablen Lachkultur in der Renaissance als Anti-Terrormittel begreift


 

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